In den abgelegenen Dörfern haben die Bischöfe Selbsthilfegruppen für Dorffrauen eingerichtet. Unter der Leitung indischer Sozialschwestern werden die Frauen unterrichtet und beraten, wie sie ihren Lebensstandard verbessern können. Schwerpunkte sind dabei Programme zur Verbesserung der Hygiene, Geburtenkontrolle, Wassersammel- und Einsparmöglichkeiten, Schaffung von Umweltbewusstsein, Landwirtschafts - Förderprogramme, etc. Zum besseren Verständnis werden die einzelnen Schwerpunkte und Programme in Plakatfolgen dargestellt, die in den jeweiligen Dörfern zur Anschauung verbleiben.
Die Sozialschwestern besuchen die Frauen in den Dörfern regelmäßig und überlegen mit ihnen, welches Beschäftigungsprogramm ausgewählt werden soll. Einige Gruppen sammeln Brennholz und verkaufen es auf dem Markt, andere erhalten einige Ziegen, wovon sie vom ersten Wurf jeweils wieder Tiere an andere Gruppen abgeben müssen, ähnlich werden Küken zur Aufzucht weitergegeben, oder die Gruppe erhält Geld für den Kauf einer große Menge eines Produkts (z.B. Waschmittel), das dann in kleine Pakete verteilt und ebenfalls auf dem Markt verkauft wird.
Alle Erlöse werden auf ein Gemeinschaftskonto des Dorfes bei einer ordentlichen Bank eingezahlt. Die Gemeinschaft der Frauen entscheidet dann später über die Verwendung des Geldes. Angeschafft werden dürfen nur "produktive Mittel", wie z.B. Saatgut, Dünger, Tiere, etc. Wird ein Kredit benötigt, wird er mit der Sozialschwester abgestimmt, die Diözese tritt in diesem Falle als Bürge bei der Bank auf.
Ziel bei der Einrichtung dieser Selbsthilfegruppen ist zum Einen, nur eine Initialfinanzierung zu stellen, wobei sich die Weiterführung der Maßnahmen anschließend selbst trägt. Zum Anderen will man erreichen, dass sich die Menschen in den Dörfern eine kleine Rücklage für Zeiten magerer Ernte schaffen können. Man will sie aus der Abhängigkeit der Geldverleiher befreien, die Zinsen zwischen 150 und 200 % für Kredite verlangen. Oftmals werden die armen Bauern, die ja meist nicht lesen und schreiben können, durch Ausstellung falscher Schuldscheine auch noch übervorteilt. Wenn vielleicht auch die nächste Ernte schlecht ist, und ein Kredit dann nicht rechtzeitig zurückgezahlt werden kann, verpfänden die Bauern erst ihre, dann auch die Arbeitskraft ihrer Kinder über Jahre an diese Geldverleiher. Um diesem Schicksal zu entgehen wandern viele dieser Bauern nach und nach in die großen Städte ab, wo die Slums ständig wachsen, und infolge der aus Geldmangel ausgeübten Prostitution die Anzahl der HIV-Infizierten entsprechend zunimmt.
So ist die Einrichtung dieser Selbsthilfegruppen auch ein wirksames Mittel, diese Tendenz abzuschwächen.
Bei unserem Besuch in den Dörfern begrüßten uns die Frauen mit großer Herzlichkeit, sie waren sichtlich stolz auf ihre bisherigen Erfolge, und die Männer standen dabei und waren ebenso stolz auf ihre erfolgreichen Frauen; und wir waren natürlich begeistert über die großen Fortschritte auf so breiter Ebene. Eine mit der Sozialarbeit beauftragte Schwester, Sr. Rosily, erklärte uns dazu, dass sich die Kunde solcher Selbsthilfegruppen bereits im ganzen Umkreis verbreitet hat, die Frauen der Dörfer warten nur darauf, dass endlich auch jemand zu ihnen kommt, um sie anzuleiten. Und so ist es auch nicht erstaunlich, dass sich in kurzer Zeit rund 400 solcher Gruppen gebildet haben. Übrigens hat man Ähnliches mit Männern vor einigen Jahren versucht; dies Projekt ist völlig fehlgeschlagen, weil sich die Männer oft nicht über Ziele einigen konnten, und häufig das eingenommene Geld sofort verplempert wurde, anstatt es auf das gemeinsame Konto einzuzahlen.